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Avatar von Elke

Lieber Holm,

ich möchte mich ganz herzlich für diesen interessanten Newsletter bedanken, den ich mit großer Freude gelesen habe. Vor vielen Jahren habe ich Slawistik studiert, teilweise in Rostow am Don, und war gespannt auf Deine Ausführungen. Vieles war mir logischerweise bereits bekannt, an anderes habe ich mich erinnert und mein Wissen aufgefrischt, aber ein Großteil der Details und von Dir beschriebenen geschichtlichen Entwicklungsverläufe wusste ich noch nicht. Das machte das Lesen für mich besonders interessant. Dabei finde ich die Betrachtung des Zusammenhangs von geschichtlichen und kulturellen Ereignissen sowie der Sprachen außerordentlich spannend, vor allem wie vermeintliche Zufälle den Gang der Geschichte beeinflussen und häufig über Siegeszug oder Untergang entscheiden.

Eine Bemerkung möchte ich aber gern noch loswerden. Die Tatsache, dass ausgerechnet der Name Kyrills als Bezeichnung der neuen slawischen Schriftsprache ausgewählt wurde, ist eigentlich für mich kein Widerspruch. Auch wenn die zugrunde gelegten Absichten für die Entwicklung der Schriftsprachen verschieden sind, ist die Namensgebung letztlich doch eine Wertschätzung der Leistung des Mannes, der sich als einer der ersten erfolgreich daran gemacht hat, einer mündlich überlieferten Sprache eine Schrift zu geben. Die weitere Entwicklung und die damit verbundene Anpassung an die Gegebenheiten erscheinen mir nur folgerichtig.

Du siehst, Dein Newsletter hat mich zum Nachdenken über ein nicht alltägliches Thema angeregt. Vielen Dank dafür und weiterhin viele interessante Erlebnisse auf Euren Reisen.

Liebe Grüße aus Taubenheim von Elke

Avatar von Peter Mühlbach

Wieder hochinteressant und sehr detailliert geschrieben, das Meiste davon wusste auch ich nicht, obgleich ich ebenso russische Texte lesen kann. Ob Zufall oder nicht, bin ich vor Kurzem über Cato den Älteren gestolpert, der noch tausend Jahre früher lebte und gleichsam sprachliche Elemente entwickelte, siehe:

Ja, Cato der Ältere verständigte sich auf Latein. Genauer gesagt sprach und schrieb er eine frühe Form, das sogenannte Altlateinisch. Cato der Ältere (234–149 v. Chr.) nimmt in der Sprachgeschichte sogar eine absolute Vorreiterrolle ein. Hier sind die wichtigsten Fakten zu seiner Sprache und seiner Haltung: Der Vater der lateinischen Prosa: Vor Cato schrieben römische Historiker ihre Werke ironischerweise oft noch auf Griechisch, da Latein als ungesittet und ungeeignet für feine Literatur galt. Cato brach damit. Seine Origines (eine Geschichte Roms) waren das erste große Geschichtswerk in lateinischer Sprache. Sein Buch De agri cultura („Über den Ackerbau“) ist das älteste komplett erhaltene Prosawerk auf Latein. Streng gegen das Griechische: Cato war ein erbitterter Verfechter altrömischer Sitten. Er wetterte im Senat vehement gegen den modernen, luxuriösen Lebensstil, der damals aus Griechenland nach Rom schwappte. Er forderte die Römer stolz dazu auf, bei ihrer eigenen Sprache (Latein) und Kultur zu bleiben. Er konnte trotzdem Griechisch: Obwohl er die griechische Kultur öffentlich ablehnte, beherrschte er die griechische Sprache fließend. Er hatte sie gelernt, um die Schriften seiner Gegner und die griechische Philosophie besser verstehen und bekämpfen zu können. Sein berühmtester lateinischer Satz: Legendär wurde sein politischer Kampfsatz, mit dem er über Jahre hinweg jede seiner Reden im Senat beendete, völlig egal, worum es eigentlich ging:

„Ceterum censeo Carthaginem esse delendam“ („Im Übrigen bin ich der Meinung, dass Karthago zerstört werden muss“).

Cato war also maßgeblich dafür verantwortlich, dass sich Latein überhaupt als weltberühmte Literatursprache gegen das mächtige Griechische durchsetzen konnte.

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